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Home Sonderthemen Fläming Alte Kunst und Gemeinwohl
20:33 06.06.2017
Nicht nur für Kinder oft nötig: individuelle Mixtur einer Apotheke. FOTOS: ABDA;DPA

Von Gerald Dietz 

Zahlreiche Apotheken werden zum morgigen „Tag der Apotheke“ wieder mit Sonderaktionen locken. Das Motto „Näher am Patienten“ lässt einen Bogen schlagen zu einem Angebot, auf das die Pharmazeuten in Brandenburg zum Termin hinweisen. Wenn es wichtig wird, ist es zwar nicht selbstverständlich aber verlässlich und gehört zum Standard: Jährlich leisten die 20 000 Apotheken Deutschlands rund eine halbe Million Nacht- und Notdienste (s. Infokasten).

„Als zentrale Institution der Arzneimittelversorgung unterliegen sie so genannten Gemeinwohlpflichten“, sagt der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Brandenburg Michael Klauß. Das bedeutet: Apotheken sind gesetzlich zu Leistungen verpflichtet, die allen Menschen nützen. Dazu gehören neben dem Vorhalten eines breiten Arzneimittelsortimentes auch Notdienste. Denn Krankheit hält sich nun einmal nicht an Öffnungszeiten.

Was beim Auslageprogramm standardisierter Arzneien vielfach kaum noch auffällt: Zu den Leistungen der Apotheken gehört auch die Herstellung individueller Medikamente. „Die Rezepturanfertigung ist eine alte Kunst, aber keineswegs veraltet“, so Klauß. Denn Rezepturen sind in vielen Fällen unersetzlich, zum Beispiel wenn ein Kind ein Medikament in einer Dosis braucht, für die es keine industriell hergestellten Arzneimittel gibt. Die individuellen Mixturen sind zwar Ausnahmen, aber keine Einzelfälle: Im Jahr 2016 haben die Apotheken in Deutschland nach Angaben des Deutsches Arzneiprüfungsinstitut 7,2 Millionen Rezepturen wie etwa Kapseln oder Salben für gesetzlich Versicherte gefertigt. Insgesamt sind es noch viel mehr. Für Privatversicherte werden auf direkte Nachfrage des Patienten oder als Spezialrezeptur gegen Krebserkrankungen zahlreiche Medikamente individuell hergestellt. Das zeigt: Rezepturen sind und bleiben eine notwendige Ergänzung zu industriell produzierten Arzneimitteln. Deshalb kann jede Apotheke sie fertigen – nicht nur am „Tag der Apotheke“.

Mit ihrem niedrigschwelligen Angebot sind die oft noch wohnortnahen Apotheken erste Anlaufstellen bei vielen Gesundheitsproblemen. Ob Kopfschmerzen, Schnupfen oder Durchfall: Gegen viele Krankheiten gibt es rezeptfreie Medikamente. Doch Vorsicht: rezeptfrei heißt nicht automatisch harmlos. Aber jeder Apotheker sollte wissen, wo die Grenzen sind. Das Überschreiten dieser Barrieren kann Beschwerden erst auslösen. Zum Beispiel auch Kopfschmerzen: Zu oft oder zu lange eingenommen, können rezeptfreie Schmerzmittel einen Brummschädel mit Kopfweh herbeiführen. Derartige Arzneien dürfen deshalb in der Selbstmedikation nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden.

Auch rezeptfreie Medikamente sollten in vielen Fällen nicht ohne Beratung über die Apothekertheke gehen. Das sieht auch der Gesetzgeber so – deshalb stehen etwa Kopfschmerzmittel in Regalen, wo Patienten sie zwar sehen, aber sich nicht selbst bedienen können. Im Gespräch sollten Apotheker erkennen, ob ein Arztbesuch nötig ist. Also wenn die Kopfschmerzen etwa täglich auftreten. Der Apotheker informiert gerne individuell über Risiken und Nebenwirkungen – nicht nur am „Tag der Apotheke“.


Die Nummer für den Notfall

Die nächste
dienstbereite Apotheke lässt sich einfach finden. Im Fenster jeder Apotheke gibt es den Hinweis darauf.

Der Anruf vom Festnetz auf der Suche ist kostenlos: 0800/0022833. Die Info per Handy kostet in allen Netzen 69 c/Min: 22833. Für SMS unter Verwendung der 5-stelligen Postleitzahl zahlt man 69 c/ SMS

Auch das Netz bietet Infos: www.aponet.de, mobiles Web unter: apothekenfinder. mobi (bei Internetflat keine Extrakosten). Zudem gibt es die kostenlose App „Apothekenfinder“.

www.aponet.de

Bewegung als Krankheitsprävention

Apotheker haben Bundesbürger nach ihrer Gesundheit befragen lassen

Bewegung gilt als wichtigste Krankheitsprävention. FOTO: FOTOLIA
Bewegung gilt als wichtigste Krankheitsprävention. FOTO: FOTOLIA

Die Bundesbürger denken an ihre Gesundheit – aber wie hat sich ihr Gesundheitsbewusstsein in den letzten Jahren verändert, und wo sind die großen regionalen Unterschiede? Trinken die Bewohner in dem einen Bundesland wesentlich häufiger als in einem anderen? Welche Region ist Spitzenreiter unter den Nichtrauchern? Stimmt es, dass Brandenburger am wenigsten Sport treiben?

Die Antworten auf diese und weitere Fragen will die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zum Tag der Apotheken präsentieren. Im Auftrag der ABDA hat das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas) im April und Mai 2017 rund 3400 Menschen ab 16 Jahren befragt.

Bereits 2008 wurde eine ähnliche Studie erstellt. Damals nannten 87 Prozent der Befragten regelmäßige Bewegung als wichtigste eigene Maßnahme zur Vorbeugung von Krankheiten. Ebenfalls jeweils mehr als 80 Prozent gaben gesunde Ernährung und möglichst wenig Alkohol an. Knapp drei Viertel wollten vor allem Stress so es geht vermeiden.

Ihren gegenwärtigen Gesundheitszustand bewerteten damals rund zwei Drittel als gut, sehr gut oder ausgezeichnet. Nur sieben Prozent stuften ihre gesundheitliche Lage als schlecht ein. Männer sahen sich selbst insgesamt gesünder an als umgekehrt Frauen.

Die ABDA will nun die Ergebnisse der aktuellen mit denen der damaligen Umfrage vergleichen und nach eigener Ansicht politisch notwendige Konsequenzen ableiten.

Apotheker suchen Nachfolger

Pharmaziebetriebe werden weniger

Viele Apotheker haben inzwischen Nachfolgeprobleme. Sofern es nicht die Großstädte sind, zeigen nur wenige Qualifizierte Interesse, einen solchen Betrieb zu übernehmen. Die Folge: In Deutschland sinkt die Zahl der Apotheken stetig.

Zu Jahresbeginn gab es laut dem Deutschen Apothekerverband (DAV) bundesweit 20 023 Apotheken, so wenige wie nie seit der Wiedervereinigung. In den vergangenen Jahren sind je etwa 200 Apotheken weggefallen – zum Jahresende könnte die Zahl deutlich unter 20 000 liegen.

„Rückgänge gab es in allen Bundesländern“, sagt der DAV-Vorsitzender Fritz Becker. Aber sie hätten für die Patienten in den einzelnen Regionen unterschiedliche Auswirkungen: Gerade in strukturschwachen Gebieten in ländlichen Gemeinden, aber auch in Außenbezirken und Wohngebieten von Großstädten müsse die Branche „wachsam bleiben“. Versorgungslücken gebe es noch nicht, aber es dürften eben auch keine entstehen.

In Brandenburg sieht der Präsident der Landesapothekerkammer, Jens Dobbert, vor allem ein Manko als Grund für den Nachwuchsmangel: Bislang gebe es hier keinen Studiengang Pharmazie an einer Universität des Landes. Gäbe es einen, würden vielleicht doch einige Studenten nach ihrer Ausbildung auch im Land bleiben, glaubt er. Unterdessen drängt aber die Nachwuchssuche in Brandenburg weiter

Sammelstelle für Rezepte
beliebt

Apotheken in ländlichen Regionen, die abgelegene Ortschaften ohne eigene Apotheke mitbetreuen, behelfen sich zunehmend mit Rezeptsammelstellen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie ein Briefkasten: Täglich werden die verschlossenen Behälter an öffentlich zugänglicher Stelle geleert. Patienten werfen ihre Rezepte hinein. Dann werden die Arzneien von der Apotheke besorgt und ausgeliefert.

Bei Apotheken sind die Sammelstellen beliebt, es gibt viele Bewerber auf die Standorte. Das System und der Betrieb von Rezeptsammelstellen sind in der Apothekenbetriebsordnung gesetzlich geregelt. In Brandenburg erwartet die Landesapothekerkammer, dass die Zahl der Rezeptsammelstellen von derzeit 70 in den nächsten Jahren steigt.

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